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Vorkommen

Prävalenzraten sind abhängig von den zugrundegelegten Diagnosekriterien (DSM-IV, ICD-10, DSM-IV-Vorläufer), Alter, Erhebungsmethode und befragtem Personenkreis (Lehrer, Eltern). Aus international an der allgemeinen Bevölkerung erhobenen Daten ergibt sich eine Häufigkeit von 9,2% (5,8-13,6%) für Jungen und 2,9% (1,9-4,5%) für Mädchen (Barkley 1998). Bisherige epidemiologische Studien im Kontext der DSM-IV-Kriterien gelangen sogar zu Prävalenzraten, die bei 8-12 Prozent liegen (Rowland u.a. 2001; Cantwell 1996; Rowland u.a. 2002).

Deutsche Erhebungen (Brühl et al., 2000) fanden bei 6-10 Jahre alten Kindern in 6% ein AD(H)S (nach DSM-IV). Frühere deutsche Studien (Baumgaertl u.a. 1995) zeigten eine Jungen/Mädchen-Relation zwischen 2:1 beim vorherrschend unaufmerksamen Subtyp und 5:1 beim hyperaktiv-impulsiven Subtyp.

Zu den Gründen hat die Wissenschaft bislang nicht annähernd eine einheitliche Position (Barkley 1998). Es kann davon ausgegangen werden, dass dieses Verhältnis Ergebnis des besonderen Zusammenspiels von geschlechtsspezifischer genetischer Ausstattung des Temperamentes und der Auswirkungen kulturspezifischer Geschlechtsrollenprägung ist.

Bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder treten die ersten Symptome im Alter von 3-4 auf (Applegate et al. 1997; Loeber u.a. 1992). Die Mehrzahl der Kinder entwickelt ihre spezifischen AD(H)S-Merkmale in der Phase der Einschulung, wenn man von ihnen verlangt, den Anweisungen der Lehrer und den Regeln der Schule Folge zu leisten.